Spielbericht DA-Liga Independence

Heute gibt es von mir einen kleinen Erlebnisbericht zu der „Independence“. Das Event wurde auf dem Spielfeld „The Hill“ ausgetragen, Veranstalters war die Deutsche Airsoft Liga.

Infos vorab:

Die „Deutsche Airsoft Liga“ ist ein Unternehmen, das seit Anfang 2017 Airsoftspiele in vielen verschiedenen Formaten anbietet. Wie der Name schon sagt, war der Grundgedanke ein Spielbetrieb in Ligaformat, vergleichbar mit dem vorhandenen System beim Paintball.
Am 11.03.2017 startete jedoch ein Format mit dem Namen „Independence – der Einstieg in Milsim & LARP“.
Den Grundgedanken und den Anspruch an das Event, formuliert auf der Webseite des Veranstalters, klingt wie folgt:

„In unserer Event-Serie Independence sollen vor allem jene Airsoftspieler auf ihre Kosten kommen, die dank erweiterter Hit-Regel (Sani-Regel) und fehlenden Pausen auf eine anspruchsvolledurchgehende sowie durchorganisierte Tagesveranstaltung wert legen.

Wer also auf Atmosphäre dank 3 klar definierten Fraktionen (CNACBPMLC und Trident) mit jeweils eigener, von der Orga kontrollierter Kleiderordnung und einen kleinen Anteil an LARP- sowie MilSim-Einflüssen (Gefangenen-Regel) wert legt, dem bieten wir auf den Independence-Events mittels strukturierter Organisation ein Requisiten- und Missionen-reiches Spielerlebnis sowie einen fortlaufenden Konflikt in einem fiktiven Szenario!“

Diese Beschreibung weckte in mir natürlich eine große Hoffnung, da ich mich von den 08/15 Spieltagen mit viel gespraye, Highcapgeraschel und Null Bewegung im Spiel abwenden möchte.

Ich besuchte also das dritte Event dieser Reihe mit zwei Freunden und war gespannt, was uns erwarten würde. Die ersten beiden Events hatten einiges an negativer Kritik aufgebracht, aber ich wollte mir selber ein Bild des Spiels und der Leute machen und versuchte somit wenig Erwartungen an das Event zu haben, um recht objektiv an die Bewertung herangehen zu können.

Ablauf und Erfahrungen:
Der Ticketkauf ging simple von statten. Ticketshop aufgerufen, Fraktion gewählt, per Paypal bezahlt und schon fertig. Eine Woche später erhielt ich einen DinA4 Umschlag, in welchem ich einiges an Unterlagen fand. Es fielen heraus das Ticket, die Verzichtserklärung, ein Karte mit Abzeichen der Fraktionen, 3x DinA4 mit Regelwerk (Sani-, Hostage- und Spawnregel) sowie ein Aufkleber von Conos. Diese Unterlagen überraschten mich positiv. Sonst wird vom Spieler erwartet, dass er sich die Regeln irgendwo im Netzt zusammensucht, hier bekam man alles auf einmal in die Hand und das auch noch optisch schön aufbereitet. Leider fehlten ein paar wichtige Infos, aber schon mal ein guter Start.

Der Zeitplan war angesetzt von 0830 Einlass über 1030 Beginn bis 1630 Ende natürlich, wie angekündigt, ohne Pause.
Die Anreise verlief einfach, da ich das Spielfeld „The Hill“ schon gut kannte. Wir trafen also um 0820 an der Einfahrt von dem Feld ein, wo vier Autos standen und Spieler im Kofferraum nach den Tickets suchten, typisch Airsoft, denn Mitdenken wäre ja zu viel verlangt. Wir hatten die Tickets griffbereit und nachdem die Blockade aufgehoben war, konnten wir nach einem kurzen Check der Tickets durch. Außerdem bekamen wir ein kleines Fresspaket ins Auto gereicht, nette Geste – der Energiedrink wurde gekippt, Schokobrötchen, Bifi und Müsliriegel vergaß ich später im Auto, ich hatte natürlich vorgesorgt.

Nun kam der erste Knackpunkt. Ich erwartete nach der kurzen Strecke vom Einlass zum Haus eine Orga, die genaue Instruktionen weitergab wo geparkt und aufgerödelt wurde. Es liefen zwar Orgas umher, jedoch hatten die anderes zu tun. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und somit fuhr ich vors Haus, wir schmissen das Zeug raus und ich parkte den Wagen auf dem Parkplatz wo schon einige Spieler mit teilweise 1,5 m Abstand zwischen den Autos geparkt hatten, da fehlte definitiv eine Orga für Parkunfähige.

Da ich gerne weiß was Sache ist, suchte ich auf dem Rückweg eine Orga auf um mich abzusichern, dass wie üblich in der ersten Etage aufgerödelt wurde. Dies wurde mir von einem rumstehenden Warnwestenträger bestätigt, wir suchten uns einen Raum und Gearup go. Da ich immer noch nicht wusste wo sich Anmeldung, Chrono, Spawns usw. befanden (diese Infos hätte ich vorab gebraucht, siehe DinA4 Umschlag), suchte ich also in Gear die nächste Orga auf. Mit den neuen Informationen ging ich zurück zu meinen Jungs, wo es hieß, wir müssten aus den Räumen wieder raus auf den Parkplatz. Wir waren fast fertig aufgerödelt also alles wieder zusammenwerfen und die Taschen zurückschleppen, sehr ärgerlich.

Durch das ganze Hin und Her sowie die langen Laufwege zwischen Parkplatz und Orgazone lief uns allmählich die Zeit davon. Also schnell die Waffe gepackt und zur besagten Anmeldung. Die ging sehr flott zugange, Ticket raus, Verzichtserklärung abgegeben, Bändchen um das Handgelenk und go, alles ohne Anstehen. Auch Unstimmigkeiten wie eine fehlende Verzichtserklärung in einem der Umschläge war kein Problem. An den beiden Chronos standen nur 6-7 Leute in der Schlange, gechront wurde mit gespieltem Kugelgewicht und die Toleranzen wurden beachtet, dass hieß die C02 KP-05 meines Kollegen musste zurück in den Koffer.

Wir waren also durch die Verzögerungen immer noch nicht fertig da hieß es schon Briefing und da wurde es hektisch. Obwohl wir sehr pünktlich waren hatten wir noch nicht auf munitioniert und eingeschossen, aber die Orga wollte pünktlich und zügig starten, was im Airsoft nicht unüblich ist, sehr gut.

Da sich ein Kollege noch auf dem Parkplatz befand, sich aber kein Orga bequemte die Leute zu holen und ich eh zum Auto musste, rannte ich also schnell zum Auto. Hektik und Unachtsamkeit meinerseits ergaben, dass ich mich lang legte und leicht verletzte. Somit bekam ich vom Briefing nicht viel mit, da ich mit Versorgung der Verletzung usw. zu tun hatte. Das Nachbriefen durch meinen Kollegen sagte mir aber, dass ich nichts verpasst hatte, was ich nicht vorher in den Regeln gelesen hatte. Also dann mit verbundener Hand und allem drum und dran zum Schwesternhaus im Spawn. Da der Tag ja nicht perfekter werden konnte, rauchten mir zwei Waffen ab die jahrelang zuverlässig liefen, also wieder zurück zum Auto latschen. Fraktionsbriefing und Spielbeginn bekam ich also nur über Teamfunk mit.

Tausend Kleinigkeiten führten also dazu, dass ich sehr verspätet ins Spiel startete, nun sollte es aber losgehen. Unsere Fraktion, die Trident PMCs und die Rebellen, hatten schon zwei Schalter im Sinne von Dominationen eroberten und lieferten sich an einen Stellungskrieg auf Höhe des Kesselhauses. Die Situation fuhr sich sehr schnell feste, wir versuchten an verschiedenen Punkten zu brechen mit Granaten und Rushen, aber es war sehr schnell fest gefahren. Wir hielten zwar zwei von drei Punkten aber Spaß machte das Festsitzen nicht. Auf den Ausfall eines „Schalters“ der zu halten war, reagierte die Orga schnell mit Ersatz, an der Situation änderte sich nichts. Wir versuchten also bis 1300 über verschiedenste Wege die Situation zu brechen, es tat sich nix. 

Leicht gefrustet von all den Zusammenhängen, ging ich etwas essen, ein untypisches Verhalten von mir bei einem Spieltag ohne Pause, aber ich wollte nicht noch weiter eine Stunde gegen die selbe Tür schauen, meine Granaten verballern und die 0,5er durch Türschlitze aufs Bein geschossen bekommen.
Vorher war ich jedoch so frech mich auf den Orgafunk zu schalten und machte den Vorschlag die Spawnpunkte zu verlegen, da das Spiel seit zwei Stunden festgefahren sei und wir das Hauptgebäude nicht einmal betreten hatten. Ich bekam von der Eventleitung freundlich und respektvoll, aber sehr bestimmt gesagt, dass ich nichts zu melden hätte, natürlich in andere Wortwahl, okay dann halt doch Pause machen.

Als wir vom Snacken wiederkamen kam die Überraschung, die Spawnpunkte wurden verlegt. Ich dachte erst es wäre ein Wunder geschehen aber es war wohl von der Spielleitung genau so vorgesehen. (Kurzvideo:)

Unser Spawn lag nun am kesselhausseitigen Eingang des Krankenhaus und das Militär rückte wohl auf die andere Seite ab. Hätte ich das vorher gewusst wäre mir einiger Frust gespart geblieben aber neuer Mut, neue Motivation, jetzt heißt es die Flure sichern. Der vorher angefunkte Orga sprach mich an, wir tauschten einige nette Worte aus. Ich verstand seinen Standpunkt dass viele seine Spielidee kritisierten, er verstand meinen Standpunkt drei Stunden lange das Haupthaus nicht betreten zu haben, also alles nett und gut.

Nun hörte ich auch das erste Mal aufs Briefing, es galt DinaA4 Zettel mit Codes zu finden und eine Professor zu suchen. Später sollten wir Sprengstoff ausfindig machen und bergen, all dies musste teilweise mit dem Professor als Larp Charakter erledigt werden.

Die nächsten zweieinhalb Stunden durchkämpften wir also das Haus und rockten das Militär an die Wand. Wir hatten wenig Widerstand, den wir systematisch brechen und bekämpfen konnten, und erledigten alle Missionen teilweise in Bruchteilen der Zeit.

Wie sich herausstellte war 70% des Militärs nach und nach abgereist, aus welchen Gründen auch immer. Somit leisteten die übrigen erbitterten aber nicht effektiven Widerstand, wurden aber von uns durch Granaten und Flankierungen immer wieder ausgeschaltet.

Nach vielen schönen Aktionen und Rushs wurde die finale Mission von uns erledigt und es hieß Sammeln zum Abschlussbriefing. Es wurden die Ergebnisse der Missionen genannt, wir hatten ganz klar dominiert, das Militär musste es Situationsbedingt auch sehr schwer gehabt haben die Situationen zu brechen.

Wir fuhren also nach einem frustrierenden Vormittag und einem spaßigem Nachmittag, der den Vormittag wieder ausglich, erfreut und gut gelaunt gen Heimat.

Fazit:
Man merkte, dass in dem Event Zeit und Liebe steckte und das gilt es zu respektieren und zu nennen! Trotzdem war der Ablauf nicht perfekt, die Frage ist ob man das beim dritten Event schon erwarten darf. Ich finde die Orga hat sich gut geschlagen, und deren Einstellung mit konstruktivem Feedback was anzufangen, wird helfen die Events reibungsloser zu Gestalten. Ich denke da fährt die DAL einen guten Weg, wie sich das entwickelt, kann man ja live erleben.

Ich persönlich habe wenig bis gar keine MilSim und Larp Einflüsse erlebt. Das Event war ein gut organisiertes, Missionen basiertes und halbwegs geführtes Spielerlebnis mit sehr guten Requisiten und einigen Missionsdarstellern. Das Einhalten der Kleiderordnung war schön anzusehen, jedoch reicht das nicht um das ganze als LARP oder MilSim zu bezeichnen, auch nicht als „Einfluss“. Das sind einfach gesagt sehr schöne „Kulissen“ für ein solches Event mit Story, aber es ist und bleibt Speedgaming für mich. Das ist in meinen Augen auch kein Problem, denn als Speedgame betrachtet hatte das Event viele schöne Anreize es zu besuchen.

Das Spielfeld „The Hill“ bleibt für mich nur bespielbar bis maximal 40 Leute. Auch wenn es Umbauten gab und es nicht einfach nur 4 Schleusen sind durch die gerotzt wird, es fehlt mir als alter Kent School Spieler das rechts und links Flankieren. Für mich ist es nichts, bzw. ich bevorzuge andere CQB Felder.

Es war ein sehr abwechslungsreicher Spieltag mit Höhen und Tiefen, aber es hat Spaß gemacht.
Für diejenigen, die immer noch nicht genug haben, hier eine Pro, Contra und Neutralliste des Events und meiner Erfahrung:

 

Ablauf und Organisation
+ Problemloser Ticketkauf, Bezahlung via Paypal
+ schön designtes Ticket per Post erhalten mit vielen Zusatzinformationen und Regeln
– es fehlten wichtige Infos wie Energiegrenzen, Position und Ablauf der Anmeldung, Chronen etc.
– am Spieltag gab es ein kleines Chaos beim Parken, Parkeinweiser fehlte
– Zeitmangel durch falsche Anweisung der Position des Gear Ups
– Kein Lagerplatz für Ausrüstung, lange Laufwege zwischen Autos und Spawn
+ schnelle Anmeldung und zügiges Chronen
+ klare Toleranzen bei den Leistungsgrenzen der Waffen
o Briefing leider nicht mitbekommen, aber war wohl alles Wichtige dabei
+ Netter und freundlicher Ton der Orga
+ Dresscode wurde weitestgehend eingehalten und teilweise kreativ umgesetzt

Spielbetrieb
o erstes Fraktionsbriefing nicht mitbekommen
o Fraktionsführer (?) hat versucht einen harschen Ton aufzusetzen, das kam eher unauthentisch bzw. lächerlich rüber
– die ersten Spielstunden war unflexibel und sehr festgefahren, sehr demotivierend
o es gab wohl eine Story aus vorausgehenden Spielen, die aber mir jedoch unbekannt war und scheinbar keine Gewichtung für das Spiel selber hatte.  Die Missionen liefen anscheinend nach Skript ab, die Enden der Missionen schienen auch teilweise geskriptet gewesen zu sein.
+ die „Züge“ wurden von einem Fraktionsführer gelenkt
o die Kommunikation im der Fraktion war positiv aber leider ohne Disziplin, sodass ich schnell den Funkkanal wechselte und mich aus der Kommunikation raushielt
+ die letzten Spielstunden waren durch schönes Teamplay, gut ausgedachte Missionen geprägt
o die Spielerschaft war bis auf ein paar Hitresistente sehr fair und freundlich mit wenigen Diskussionen
Allgemeines
+ die „Keine Pausenregel“ wurde eingehalten
+ Ab der „zweiten Hälfte“ gab es gute Missionen
+ Es wurden kreative Requisiten benutzt (ein Tablet für ?, funktionierende Elektronische Türschlossattrappen)
+ Die Orga hielt motivierende Ansprachen und brüllte nicht wie bekloppte Möchtegernsoldaten rum
– die Artikulation unserer Fraktionsführer war leicht niveaulos, was auf Dauer nervte (sexistisch den anwesenden Frauen gegenüber, welche dies aber anscheinend genossen – Airsoft Klischee erfüllt)
– die Militärfraktion verlor über 50% der Spieler die frühzeitig abreisten, eine wirklich schwache Leistung der besagten Spieler. Wenn‘s nicht gut läuft Zähne zusammenbeißen und nicht kneifen!
o Ich habe wenig LARP bis gar kein MilSim Anteil gefunden, wahrscheinlich ist die Definition da anders

About HawkEye

Ich bin nun seit acht Jahren im Airsoft unterwegs. Die Anfänge bestanden aus viel Einlesen in die Materie und immer wieder zocken fahren. Da ich mich nie an ein Team binden konnte, hatte ich schnell umso mehr Beziehungen zu vielen Spielern und Teams geknüpft und war regelmäßig als Gastspieler hier und da unterwegs. Damals galt die Area E als Stammspielfeld und oft ging es auch in die gute alte Kent School. Die Entwicklungen der neuen Spielfelder, von the Hill bis Weeze, machte ich alle als aktiver Spieler mit. Heute bin ich überall unterwegs wo gute Spielfelder und vor allem gute Spieler unterwegs sind.

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